Einschulung mit vier

Die Tage hatte ich ein wunderschönes und so berührendes Gespräch mit einer Klientin. Ihr Sohn Vincent wurde seinerzeit bereits mit 4 Jahren früheingeschult.

Jetzt könnte man sagen: ja klar, Vincent ist ja auch hochbegabt. Solche Kinder sind immer früher schulreif. Doch weit gefehlt. So einfach ist die Welt leider nicht.

Meiner Meinung und Erfahrung nach, spielt die kognitive Seite durchaus eine Rolle, doch es gibt Punkte, die noch viel, viel wichtiger sind:

Wie begeistert, neugierig und wissenshungrig ist ein Kind? Sucht es ständig nach Wiederholung? Lässt es sich lieber von außen auffüllen oder ist es wirklich von sich heraus interessiert und stellt Fragen darüber, wie die Welt funktioniert?

Die Schule ist ein Ort wo Kinder eher auffüllt werden und nicht nur hochbegabte Kinder, sind davon häufig gelangweilt. Doch gerade deswegen, ist es so wichtig, dass die Schüler interessiert und voller Fragen zum Unterricht kommen, damit der Stoff nicht gänzlich ins Leere fällt. Zudem bietet der eigene Forscherdrang, wenn er außerhalb der Schulzeit genug Freiraum bekommt, einen wunderbaren Ausgleich zum schulischen Auffüllen.

Wie geht das Kind mit Frustration um? Wird es sofort impulsiv und schmeißt den Stift in die Ecke wenn ihm etwas nicht gelingt?

In der Schule begegnen den Kids ständig Dinge, die sie noch nicht kennen und können. Eine Ausnahme stellen da vielleicht die (hochbegabten) Kinder dar, die vieles schon längst können und dadurch, wie schon gesagt, oft mega gelangweilt sind.

Beides ist extrem frustrierend. Wenn ein Kind daraufhin jedes mal explodiert oder wütend wird, ist dies nicht für das Kind selbst, eine große Belastung.

Die Antwort darauf ist leider, viel zu oft Anpassung. Viele Kinder verbiegen sich wie Brezn, nur um ins System zu passen. Doch diese Art der Anpassung führt zu emotionaler Verhärtung.

Die Antwort der Natur ist eine Andere: Dinge die wir nicht ändern können, sollten uns verändern! Es geht also um emotionale Annahme, statt um Anpassung und damit um einen tiefen inneren Wachstumsprozess.

Mit anderen Worten: Kinder brauchen weiche Herzen, damit sie aus Fehlern lernen können.

Wie emotional stabil ist ein Kind? Kann es sich emotional mäßigen und seine aufbrausenden Gefühle ausgleichen?

Schule ist Arbeit. Nicht jeder Stoff, nicht jeder Lehrer, nicht jede Hausaufgabe wird dem Kind gefallen. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, muss das Kind eigene Impulse und momentane Vorlieben immer mal wieder für einige Zeit beiseite schieben. Nach dem Motto: „Ich würde jetzt lieber spielen, aber ich mache jetzt dennoch erst meine Aufgaben.“

Stellt sich also die Frage: Woher bekommt ein Kind all diese genialen Eigenschaften? Lernt dies alles im Kindergarten? Sollte dies daheim geübt werden, bis es sitzt? Braucht es vielleicht ein spezielles Vorschultraining?

Nein. Diese Eigenschaften kann man nicht üben, trainieren oder lernen!

Sie können wie Äpfel an einem Baum, nur natürlich wachsen. Denn sie sind, wie GordonNeufeld so schön sagt „Früchte der Reifwerdung“.

Unsere Aufgabe ist es lediglich, die Wachstumsbedingungen (Bindung & echtes Spiel) zur Verfügung zu stellen, den Rest erledigt die Natur von allein.

Und dann ist es auch der richtige Moment in die Schule zu starten.

Bei meinem eigenen hochbegabten Sohn wäre dieser ‚richtige‘ Moment sicherlich erst weit nach seinem 6. Geburtstag gewesen. Doch davon wusste ich damals leider noch nichts.